Darum ist “The Voice of Germany” besser als “Das Supertalent”
Mit dem „Supertalent“ ist Dieter Bohlen nach wie vor der unangefochtene Quoten-Titan. Doch es naht harte Konkurrenz von unerwarteter Seite: Mit „The Voice of Germany“ gelang ProSieben und Sat.1 ein Überraschungserfolg in der eigentlich von Castingshows überfluteten TV-Landschaft. Peinliche Selbstdarstellungen oder Goldkehlchen im Wettstreit – wer macht am Ende das Rennen im Kampf um die Showformat-Krone?

Dieter Bohlen, der Hahn im Korb (Foto: RTL / Stefan Gregorowius)
„Das Supertalent“ ist neben „DSDS“ mittlerweile ein Castingshow-Urgestein im Privatfernsehen. Die beständig guten Quoten liegen nicht zuletzt an Bohlens Dauerfeuer an spitzen und fiesen Sprüchen. Viele der Kandidaten haben die Kritik mehr als verdient, fragt man sich doch bei so manchen, wie in Gottes Namen sie überhaupt auf die Idee kamen, in irgend einer Weise ein Talent zu besitzen. Zugegeben, genau das macht „Das Supertalent“ aber so witzig. Neben den echten Talenten (ja, die gibt es wirklich ab und zu) sind diese Freaks die heimlichen Stars der Show. Über die peinlichen Auftritte lacht man nur zu gerne – Fremdschämen inklusive.

Das Supertalent: Eine wahre "Freak-Show" (Foto: RTL / Stefan Gregorowius)
Doch irgendwann kann einen ein nackter Typ mit Superman-Cape oder eine dickbusige und schiefsingende Blondine auch nicht mehr schocken. Es scheint, als sei der Zenit der Absurdität erreicht. Der Zuschauer ist satt von Peinlichkeiten, da noch einen drauf zu setzen, ist schwierig. Und auch bei den vermeintlich echten Talenten bleibt doch oft ein fader Beigeschmack: Muss denn wirklich bei jedem halbwegs guten Kandidaten eine tragische Geschichte hervorgekramt werden? Reichen denn die gute Stimme, die tolle Performance oder die staunenden Zuschauerraugen nicht mehr aus? Und auch Dieter Bohlen hat in Sachen Attacken gegen die Kandidaten schon mal mehr drauf gehabt: Ist der Casting-Titan seiner Jury-Arbeit etwa müde geworden?

Die coole Jury von The Voice of Germany (Foto: SAT.1/ProSieben/Richard Hübner)
Ganz taufrisch wirken da hingegen die vier Jury-Köpfe vom neuen Showformat „The Voice of Germany“: Mit Xavier Naidoo, Nena, Rea Garvey und The BossHoss holten sich die Macher gänzlich unverbrauchte, aber dennoch beliebte und aktuell populäre Gesichter mit an Bord. Auch das Konzept, zunächst lediglich der Stimme zu lauschen, ist erfrischend neu (zumindest im deutschen TV) und steigert den Spannungsfaktor. So konzentriert sich die Jury nur auf den Gesang: Performance, Geschichte, Name, Aussehen – all das ist vorübergehend völlig irrelevant. Tatsächlich geht es bei „The Voice of Germany“ zunächst lediglich um das vorhandene Talent.

Bei den Blind Auditions zählt nur die Stimme (Foto: SAT.1/ProSieben/Richard Hübner)
Angenehm ist auch, dass das Format bisher noch völlig Freak-frei zu sein scheint. Die Kandidaten, die bisher auf der Bühne standen, haben echt was drauf und am Ende zählt wohl nur der persönliche Geschmack der Jury, die mit den auserwählten Sängern Teams bilden sollen. Das ist dem vorherigen Auswahlverfahren zu verdanken, welches nur die Besten zu den sogenannten „Blind Auditions“ hindurchließ. Und auch wenn ein Kandidat nicht überzeugen kann, am Ende haben Xavier, Nena und Co. immer noch warme Worte übrig, die aber doch bestimmend klar machen: Hey, du bist leider nicht Deutschlands bester Sänger.

The BossHoss gehören zur frischen Jury (Foto: SAT.1/ProSieben/Richard Hübner)
Schlussendlich bleibt es wohl aber doch Geschmackssache, ob „Das Supertalent“ oder „The Voice of Germany“ die bessere Casting-Show ist. Wer auf lustige Freaks und für Entertainment gemachtes Fernsehen nicht verzichten mag, der schaltet natürlich besser bei Dieter Bohlen und Co. ein. Wer nun aber auf echte Sanges-Talente und eine erfrischend-gute Jury steht, der sollte auf „The Voice of Germany“ setzen.
